Nach 17 Zügen war folgende Stellung erreicht
Weiß hat einigen Druck am Königsflügel und droht durchaus unangenehm Sf6+ und natürlich auch Dxc5. Hier erinnerte ich mich an einen Großmeister-Rat: "Wenn du das Gefühl hast bei normalem weiteren Verlauf unterzugehen, verändere den Charakter der Stellung. Suche Gegenspiel ... stelle den Gegner vor konkrete Probleme" (GM Berelowitsch) Und so spielte ich hier
17. ... bxc3 18. bxc3 d4!?
Ob dieses Bauernopfer nun im "objektiven" Sinne der beste Zug ist, möchte ich nicht behaupten. Aber das Spiel verlagerte sich vom Königsflügel in die Brettmitte und ich bekam etwas Gegenspiel für den Bauern: siehe hier
Im 47. Zug hatten wir dann folgende Stellung erreicht
Der schwarze Vorteil ist augenscheinlich. Weiß kann sich kaum noch bewegen. So ist z.B. Txa6 nicht möglich wegen Dd5+ + Td1-Th1
Und eigentlich wäre so ein sinnvoller Abwartezug wie 47. ... Kg7 hier durchaus angebracht gewesen. Soll sich doch der Gegner erst mal
Gedanken machen!
Natürlich hatte ich den Bauerngewinn 47. ... Txf2+ 48. Dxf2 Dxa1 gesehen, sah aber nicht wie ich da weitergekommen wäre. Hier eine mögliche Fortsetzung: (hier anclicken)
Während ich so nachdachte kam mir auf einmal die Idee Dd3 + Te2 + De4 und ich sah nicht, wie man den Bauern auf e5 retten könnte. Also spielte ich
47. ... Dd3
und wurde von meinem Gegner unangenehm überrascht:
(hier clicken)
Hier hätte ich nun wieder in ein Damenendspiel mit Mehrbauern übergehen können mittels 52. ... Te1 + 53. Txe1 Dxe1+ 54. Kg2 Dxe5
aber ich sah wiederum nicht wie das gewinnen könnte. Habe diesbezüglich auch mal in der "Endspieluniversität" (Dworetzki) nachgeschaut und da heißt es kategorisch: Damenendspiele mit 2:3 und 3:4 sind bei gesunder Bauernstruktur remis
Allerdings musste ich wenig später in ein Turmendspiel einlenken:
(hier clicken)
Ist dieses Turmendspiel zu gewinnen? Man kann es versuchen, aber die weiße Bauernaufstellung gilt als optimal und nach fast sechsstündiger Spielzeit endete die Partie auch folgerichtig Remis
Direkt nach der Partie brachten Mannschaftskollegen eine g5 - Idee auf. Also nicht auf Bauernraub gehen, sondern versuchen am Königsflügel eine zweite Schwäche zu kreieren und dort durchzubrechen. Ich war irritiert, dass ich diese Möglichkeit überhaupt nicht ernsthaft in Betracht gezogen hatte. Und jetzt auch nach Rücksprache mit dem Schachprogramm Rybka 3 muss ich zugeben, dass wohl zum Erfolg hätte führen können
(Hier clicken)
Irgendwie "traurig" und lehrreich zugleich. Anstatt zu versuchen die erste Schwäche (e5-Bauer) auszubeuten einfach eine zweite Schwäche schaffen. Eigentlich ganz logisch, oder?
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Montag, 21. September 2015
Montag, 28. Mai 2012
Eine Linienöffnung brachte die Entscheidung!
Smyslow-Ribli
In dieser Stellung scheint Weiß leichte Vorteile zu haben aufgrund einer zentraleren Königsstellung und der 3:2 Bauernmehrheit am Damenflügel.
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Ein reines Bauernendspiel mit den Königen auf d4 und d6 würde Weiß gewinnen.
1.c5!
Der entscheidende Durchbruch am Damenflügel beginnt
1... bxc5 2. Kc4 e5
Der gegnerische Durchbruch ist zu langsam
3. fxe5 Kex5 4. Kxc5! g5 5. a5 f4 6. b6
und der Bauer wird das Wettrennen gewinnen und mit Schach einziehen
______________________________________________________
Diese Festlegung des a7- Bauern ist sehr sinnvoll (Erste Schwäche). Da der weiße Springer ihn über c6 ganz schnell attackieren kann, ist der schwarze Turm nun an dessen Verteidigung gebunden.
38. ... Kg7 39. Tc2!
Ein weiterer Nadelstich! Nun droht Td2 und Schwarz hätte danach die Wahl zwischen „Pest“ und „Cholera“. Entweder er tauscht die Türme und gerät in ein verlorenes Springerendspiel oder er muss Weiß die Turmlinie überlassen
39. ... Se4
Dies verhindert zwar Td2, aber von nun an ist der Springer an das Feld e4 gebunden. Ansonsten käme Td2
Hier nun ist die Partie an einen ganz entscheidenden Punkt angelangt. Wie
soll Weiß nun fortsetzen? Recht naheliegend scheinen Durchbruchversuche
mit Sd3 und c5 zu sein, alternativ auch mit Sc6 und c5. Und es mag vielleicht auch wirklich funktionieren.
Aber Weiß hat eine viel einfachere Möglichkeit. Er schafft am Königsflügel eine zweite Schwäche (die erste Schwäche ist natürlich der Bauer a7)
40. g4! Kf6 41. g5! +
Der g6- Bauer wird festgelegt, so dass Schwarz einer Öffnung der h-Linie
nicht mehr durch g5 ausweichen kann
41. ... Kg7
Wenn jemand hier stattdessen mit 41. ... Sxg5? geliebäugelt haben sollte, so
wird er mit Punktabzug bestraft. Nach 42. Sc6! wären zwei Figuren
angegriffen
42. Sc6 Td7 43. Tg2 Kf8 44. h4!
44. ... Ke8 45. Th2 Kf8 46. h5!
Die Linienöffnung steht nun unmittelbar bevor
Weiß ist am Ziel seiner Träume! Nun wird die h-Linie aufgehen.
____________________________________________________________________
Nur am Rande sei erwähnt, dass Schwarz mit 45. ... Sg3 46. h5 hätte verhindern
können. Dann aber hätte der Durchbruch 46. Th3 Sh5 47. c5!! zum Ziel
geführt hätte:
______________________________________________________________
46. ... gxh5 47. Txh5 Kg8 48. Th1 Kg7 49. Se5 Td8 50. Th6 Td6
Der weiße Vorteil steht außer Frage. Der Bauer a7 ist eine permanente
Schwäche geblieben. Und durch den Zugewinn der halboffenen h-Linie für
den weißen Turm sind nun auch die Bauern e6 und h7 schwach geworden.
Wiederum am Rande sei erwähnt, dass auch 48. ... Kg7 49. hxg6 hxg6 50.
Se5 Td8 51. Th6! nicht geholfen hätte
51. Ke2
Offensichtlich will Weiß eine Zugzwangsituation herstellen. Zieht der Turm,
fällt e6. Zieht der Springer wäre Tf6 oder vielleicht auch der Durchbruch c5
möglich. Zieht der König würde g6 eine Option werden. Aber erhätte natürlich
auch sofort 51. Sc6! spielen können. Nach 51. ... Td7 52. Txe6 bliebe Weiß
mit einem Mehrbauern und gutem Figurenspiel am Drücker
51. ... Sc3+ 52. Ke1 Td1+ 53. Kf2 Td4 54. Kf3 Td6 55. Tf6!
Die schwarze “Scheinaktivität” hat nun dazu geführt, dass der Turmeinbruch
auf der siebten Reihe nicht mehr zu verhindern ist.
55. ... Kg8 56. Tf7! Td3+
Sollte sich Schwarz wirklich auf diesen Trick verlassen haben?
57. Sxd3!
Das Springerendspiel ist gewonnen, da der a7-Bauer forciert verloren geht:
57. ... Kxf7 58. Se5+ Ke8 59. Sc6 +-
Deshalb gab Schwarz hier auf!
1-0
Partie im Pgn-Viewer: Linienöffnung
Resümee:
Weiß gewann die Partie, weil er nach Festlegung der ersten Schwäche
(Bauer a7) am Königsflügel daran ging, eine Linie für seinen Turm zu öffnen.
Dieses Prinzip der Schaffung einer zweiten Schwäche führt in den meisten
Fällen zum gewünschten Erfolg. Insbesondere dann, wenn die beiden
Schwächen weit auseinander liegen
37. a5!
Ein sehr sinnvoller Vorstoß. Der Bauer ist mehr oder weniger tabu, da
ansonsten der c-Bauer Flügel bekäme.
Ein sehr sinnvoller Vorstoß. Der Bauer ist mehr oder weniger tabu, da
ansonsten der c-Bauer Flügel bekäme.
37. ... Sc5
Der Versuch eines aktiven Gegenspiels mittels 37. ... Td2 wäre nicht zu
empfehlen gewesen. Nach 38. c5! bxc5 29. Txc5 gerät Schwarz auf jeden Fall in ein schlechteres Endspiel
38. a6! Der Versuch eines aktiven Gegenspiels mittels 37. ... Td2 wäre nicht zu
empfehlen gewesen. Nach 38. c5! bxc5 29. Txc5 gerät Schwarz auf jeden Fall in ein schlechteres Endspiel
Diese Festlegung des a7- Bauern ist sehr sinnvoll (Erste Schwäche). Da der weiße Springer ihn über c6 ganz schnell attackieren kann, ist der schwarze Turm nun an dessen Verteidigung gebunden.
38. ... Kg7 39. Tc2!
Ein weiterer Nadelstich! Nun droht Td2 und Schwarz hätte danach die Wahl zwischen „Pest“ und „Cholera“. Entweder er tauscht die Türme und gerät in ein verlorenes Springerendspiel oder er muss Weiß die Turmlinie überlassen
39. ... Se4
Dies verhindert zwar Td2, aber von nun an ist der Springer an das Feld e4 gebunden. Ansonsten käme Td2
Hier nun ist die Partie an einen ganz entscheidenden Punkt angelangt. Wie
soll Weiß nun fortsetzen? Recht naheliegend scheinen Durchbruchversuche
mit Sd3 und c5 zu sein, alternativ auch mit Sc6 und c5. Und es mag vielleicht auch wirklich funktionieren.
Aber Weiß hat eine viel einfachere Möglichkeit. Er schafft am Königsflügel eine zweite Schwäche (die erste Schwäche ist natürlich der Bauer a7)
40. g4! Kf6 41. g5! +
Der g6- Bauer wird festgelegt, so dass Schwarz einer Öffnung der h-Linie
nicht mehr durch g5 ausweichen kann
41. ... Kg7
Wenn jemand hier stattdessen mit 41. ... Sxg5? geliebäugelt haben sollte, so
wird er mit Punktabzug bestraft. Nach 42. Sc6! wären zwei Figuren
angegriffen
42. Sc6 Td7 43. Tg2 Kf8 44. h4!
44. ... Ke8 45. Th2 Kf8 46. h5!
Die Linienöffnung steht nun unmittelbar bevor
Weiß ist am Ziel seiner Träume! Nun wird die h-Linie aufgehen.
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Nur am Rande sei erwähnt, dass Schwarz mit 45. ... Sg3 46. h5 hätte verhindern
können. Dann aber hätte der Durchbruch 46. Th3 Sh5 47. c5!! zum Ziel
geführt hätte:
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46. ... gxh5 47. Txh5 Kg8 48. Th1 Kg7 49. Se5 Td8 50. Th6 Td6
Der weiße Vorteil steht außer Frage. Der Bauer a7 ist eine permanente
Schwäche geblieben. Und durch den Zugewinn der halboffenen h-Linie für
den weißen Turm sind nun auch die Bauern e6 und h7 schwach geworden.
Wiederum am Rande sei erwähnt, dass auch 48. ... Kg7 49. hxg6 hxg6 50.
Se5 Td8 51. Th6! nicht geholfen hätte
51. Ke2
Offensichtlich will Weiß eine Zugzwangsituation herstellen. Zieht der Turm,
fällt e6. Zieht der Springer wäre Tf6 oder vielleicht auch der Durchbruch c5
möglich. Zieht der König würde g6 eine Option werden. Aber erhätte natürlich
auch sofort 51. Sc6! spielen können. Nach 51. ... Td7 52. Txe6 bliebe Weiß
mit einem Mehrbauern und gutem Figurenspiel am Drücker
51. ... Sc3+ 52. Ke1 Td1+ 53. Kf2 Td4 54. Kf3 Td6 55. Tf6!
Die schwarze “Scheinaktivität” hat nun dazu geführt, dass der Turmeinbruch
auf der siebten Reihe nicht mehr zu verhindern ist.
55. ... Kg8 56. Tf7! Td3+
Sollte sich Schwarz wirklich auf diesen Trick verlassen haben?
57. Sxd3!
Das Springerendspiel ist gewonnen, da der a7-Bauer forciert verloren geht:
57. ... Kxf7 58. Se5+ Ke8 59. Sc6 +-
Deshalb gab Schwarz hier auf!
1-0
Partie im Pgn-Viewer: Linienöffnung
Resümee:
Weiß gewann die Partie, weil er nach Festlegung der ersten Schwäche
(Bauer a7) am Königsflügel daran ging, eine Linie für seinen Turm zu öffnen.
Dieses Prinzip der Schaffung einer zweiten Schwäche führt in den meisten
Fällen zum gewünschten Erfolg. Insbesondere dann, wenn die beiden
Schwächen weit auseinander liegen
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