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Montag, 15. Juni 2015

Die Laskerelemente in Aktion

Der frühere Weltmeister E.Lasker hielt Folgendes für die drei wichtigsten Elemente im Endspiel: 
a) Königsaktivität 
b) Freibauern 
c) Zugzwang

In dem nun folgenden Beispiel traf das genau zu


Unzicker - Ribli (1987)

Schwarz besitzt zwei Mehrbauern, aber bekanntlich muss das in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern noch nicht viel bedeuten. Noch hat Weiß alle Schwachpunkte  (g2, e4 +b3) unter Kontrolle
1. ... Ld4! 
Zugzwang! (1. Laskerelement) Schwarz kann nicht die Überdeckung aller drei Schwachpunkte aufrechterhalten
2. Ke2
Gibt die direkte Deckung des g-Bauern auf. Aber die Alternative 2. Le6 Kf4! 3. Ld5 Ke3! hätte den Königsmarsch zum b-Bauern erlaubt (Laskers Königsaktivität). Nach 4. Ke1 Kd3 5. Ke1 Le3! 


droht erneuter Zugzwang, denn weder darf der weiße König die Kontrolle über c2 aufgeben noch der Läufer den e4-Bauern einfach hergeben. Es könnte folgen 6. Lc6 b3 7. La4 Kc3! mit erneutem Zugzwang Egal ob der weiße König oder der Läufer zieht. Es folgt immer  8. ...b2! mit Gewinn

2. ... b3!
Diese Ablenkung bringt den Gewinn des g-Bauern und der Partie. Fatal wäre dagegen das direkte 2. ... Kxg2?? gwesen. Denn nach 3. e5!! Kxh3 4. e6!


liefe der Bauer zur Umwandlung

3. Lxb3 Kxg2 5. Le6 h5 6. Ld7

Weiß hat eine letzte Hürde errichtet. Aber sie hilft nicht
6. ... g4! 7. hxg4 h4!
Dieser Freibauer (2. Laskerelement) entscheidet die Partie
8. Lc6 Le5
Schwarz läßt keine e5-Tricks zu. Somit gab Weiß hier auf
0-1

Online nachspielen: hier clicken

Samstag, 12. Mai 2012

Ungleichfarbige Läufer sind nicht immer Remis


In dem folgenden Beispiel  Karpov nicht verhindern können, dass sein Gegner in ein Remisendspiel mit ungleichfarbigen Läufern einlenkt hatte. Aber er spielte unverdrossen weiter! Und tatsächlich, sein Gegner spielte ungenau und verstieß gegen wesentliche Endspielprinzipien. So das Karpov diese Partie letztlich doch noch gewinnen konnte.


Llubojevic – Karpov ( Mailand 1975)

Durch eine kleine Unachtsamkeit hat sich Weiß in eine etwas unangenehme Lage gebracht. Er kann seien Le3 nicht vor dem Abtausch retten ohne dabei einen Bauern zu verlieren. Es droht nämlich 22... .Lb1 23. a3 Lc2! mit Bauerngewinn. Aber was wäre die Alternative? Nach 22. Sc3 Sxe3 23 fxe3 Kf7 

Analysediagramm

 
stünde dem Weißen ein schwieriges Endspiel bevor. In Endspielen mit beweglichen Bauern auf beiden  Flügeln ist der Läufer dem Springer überlegen. Hinzukommen die beiden weißen Bauernschwächen; der Bauer auf e3 und der Doppelbauer.

Und so entschied Weiß richtigerweise in ein ungleichfarbiges Läuferendspiel mit einem Minusbauern einzulenken

3.Ld2 3...Lb1 4.a3 Lc2 5.Se3 Sxe3 6.Lxe3 Lxb3 

 
 
Diese Stellung sollte aufgrund der ungleichfarbigen Läufer eigentlich mit einem Remis enden. Wobei der entsprechende Remisplan eigentlich recht simple ist:
Weiß stellt alle Bauern auf die Farbe des eigenen Läufers und blockiert dann mit König und Läufer den Vormarsch des gegnerischen Mehrbauern.

Die ideale Auffangstellung sähe in etwa so aus:





Um so erstaunlicher mutet es an, dass Karpov diese Partie noch gewann. Sein Gegner spielte recht sorglos und entfernte sich immer mehr von der idealen Auffangstellung

8.f3?! 

Eine erste Ungenauigkeit. Es entzieht dem Le3 die sichere Basis

8...Kf7 9.Lf4 c6 10.Ld6 




Weiß "kurvt" mit dem Läufer umher, anstatt den König in die Mitte zu bringen

10...Ke6 11.Lf8 g6 12.Kf2 a5 13.Ke3 b6!

Schwarz stellt die Bauern schwarzfeldrig und sperrt so den Lf8 halbseitig ein  
14.h4 c5! 15.g4? 
15. ....Ld1! 
Diese Chance lässt Schwarz sich nicht entgehen. Nun ist erst einmal der weiße König an den Bauern f3 gebunden. Ein Folge des Verstoßes gegen eines der Grundprinzipien in solchen Endspielen. Die eigenen Bauern gehören auf die Farbe des eigenen Läufers.

16.Ke4 a4 17.h5 gxh5 18.gxh5 f5+ 19.Ke3 Kd5!








20.h6 Kc4 21.f4 
Endlich stehen alle weißen Bauern auf der richtigen Farbe. Aber nun wird der Damenflügel zum Problem
21...Kb3 22.Lg7 Kc2! 

Schwarz erlaubt nicht, dass der König mit Attacke auf den Ld1 nach c1 gelangt. 22...b5? 23.Kd2! Lf3 24.Kc1 Nun kann der Läufer im Kampf gegen den Vormarsch der schwarzen Bauern mithelfen 24...b4 25.axb4 cxb4 26.Lf8 a3 27.bxa3 bxa3 28.Le7 a2 29.Lf6

 Analysediagramm

Es gibt kein Weiterkommen für Schwarz. Zurück zur Partiefortsetzung:


23.Le5 Lh5

Der Läufer wird nun erst einmal auf ein besseres Feld gebracht

24.Lf6 Lf7 25.Le5 Lb3!



Bevor Karpov hier nun den entscheidenden Durchbruch startet, hat er seine beiden Figuren erst einmal "hilfreich" postiert. Der Lb3 verhindert, dass Weiß unter Umständen ben eigenen b-Bauern opfert, um mit seinem Läufer die Kontrolle über a1 zu gewinnen 
26.Lg7 b5!

Nun geht es los!

27.Lf8

[27.Lc3 b4! 28.axb4 cxb4 29.Lxb4 Kxb2 und der a- Bauer wird den Läufer kosten]


 27...c4!

Nur so!

[27...b4 28.Lxc5 Kxb2 29.Lxb4=; 27...Kxb2 28.Lxc5=]

28.Lg7 b4!

 


Der Durchbruch hat begonnen! 

29.Kd4

[29.axb4 c3! 30.Lxc3 (30.bxc3 Lc4! Ein wichtiger Sperrzug.. Nun ist der a-Bauer nicht mehr aufzuhalten 31.b5 a3 32.b6 a2 33.b7 a1D 34.b8D Dg1+ 35.Kf3 Ld5+ 36.Ke2 Dd1+ 37.Kf2 Df3+ 38.Ke1 Lc4) 30...a3 31.bxa3 Kxc3 32.b5 La4 33.b6 Lc6 34.a4 Lb7 35.a5 La6 Zugzwang 36.Kf3 Kd3 37.Kg3 Ke3 38.Kh4 Kxf4+-]
29...c3!

Der entscheidende Durchbruch!


30.bxc3 bxa3 31.c4 a2 32.Kc5 Kb1

Nun kostet das den Läufer

33.Kb4 a1D 34.Lxa1 Kxa1 35.c5 Kb2 36.c6 a3 37.c7 Le6 38.Kc5 Lc8  



Hier gab Weiß reichlich spät die Partie auf!

0-1

Hier die Partie im PGN-viewer:



Resümee: Weiß ging richtigerweise in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern über, verstieß aber gegen grundlegende Prinzipien und verlor folgerichtig  


Montag, 9. April 2012

Ungleichfarbige Läufer - Basiswissen kann helfen

Es ist ja allgemein bekannt, dass ungleichfarbige Läufer im Endspiel eine hohe Remistendenz haben. Selbst Endspiele mit zwei Mehrbauern sind oft noch Remis. Wie das folgende Beispiel zeigt:





Die beiden Bauern stehen zu dicht beieinander:
http://www.chesspastebin.com/2012/04/09/endspiel-1-by-heinrich/


Aber schon wenn die Bauern ein Feld mehr Abstand haben, kann dies ausreichend für einen Gewinn sein




 Der Gewinnplan in solchen Fällen ist immer dergleiche. Der König begibt sich zu dem Bauern, der vom gegnerischen Läufer augehalten wird. Gleichzeitig deckt er mit seinem Läufer den anderen Bauern:


http://www.chesspastebin.com/2012/04/09/endspiel-2-by-heinrich/



Handelt es sich aber um einen Springerbauern, sieht die Sache schon etwas anders aus









Dem weißen König fehlt das Feld i7, um auf das Feld h8 zu kommen und g7 durchsetzen zu können:


http://www.chesspastebin.com/2012/04/09/endspiel-3-by-heinrich/


Auch ein Randbauer kann  so seine Tücken haben



Der weiße Läufer hat die  falsche Felderfarbe, um eine Umwandlung des a-Bauern durchsetzen zu können:

http://www.chesspastebin.com/2012/04/09/endspiel-5-by-heinrich/


Mit solch einem Basiswissen ausgestattet würde man vielleicht auch in folgender Stellung den Gewinnweg finden können







Botwinnik erzeugte einen zweiten Freibauern und da diemal auch die Läuferfarbe stimmte, war der Gewinn nicht mehr allzu schwer:


http://www.chesspastebin.com/2012/04/09/kotow-botwinnik-by-heinrich/